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Die Geschichte des 18. Jahrhunderts in zeitgenössischen Darstellungen.
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Leben und Sterben
des
Joseph Süß Oppenheimer
genannt 'Jud Süß
nach der Darstellung
des
'Grossen vollständigen Universal-Lexikons'
von Johann Heinrich Zedler

worin durch eine Untersuchung der zugänglichen Texte,
welche verfaßt sind in denen Jahren 1737 und 1738,
die Quellen und Vorlagen dieser Darstellung
aufgedeckt und erklärt werden.


Inhalt
Einleitung.
Der 'Oppenheimer'-Artikel in Johann Heinrich Zedlers 'Universal-Lexikon'.
Die Vorlagen für den 'Oppenheimer'-Artikel.
Die Darstellung von Süß Leben im 'Zedler'.
01. Die Herkunft.
02. Joseph Süß und Herzog Carl Alexander von Württemberg.
03. Süß als Kabbalist
04. Der Finanz-Rat
06. Süß und die Juden.
07. Die Verhaftung
08. Der Prozeß
09. Der "Bekehrungs-Einschub"
10. Die Hinrichtung
Schluß
Literatur



Einleitung.

>>Wie wichtig er [Süß, J.D.] um die Jahrhundertmitte genommen wurde, ist ersichtlich aus dem Artikel 'Süß Oppenheimer, Joseph' des von Johann Heinrich Zedler in Leipzig verlegten Grossen vollständigen Universal-Lexikons Aller Wissenschaften und Künste.<< schreibt Barbara Gerber in ihrem umfangreichen Werk zur Rezeption des Schicksals des Jospeh Süß Oppenheimer.(1) Sie weist damit zum ersten Mal in der modernen Literatur zu Süß auf diesen Artikel hin, der zuvor offensichtlich immer ignoriert worden zu sein scheint.(2) Allerdings macht Gerber außer der zitierten Feststellung keine weiteren Angaben zu diesem Lexikon-Artikel und seinem Inhalt. Daher erscheint eine tiefergehende Auseinandersetzung mit diesem Artikel notwendig und sinnvoll. Es werfen sich durch diesen Artikel Fragen auf, die eine nähere Auseinandersetzung mit diesem Text, seiner Entstehung, seinen Quellen und seinem Inhalt vielversprechend machen.
Was die Kenntnislage des 18. Jahrhunderts zum Leben, dem Wirken und dem Tod des Geheimen Finanz-Rates Süß angeht, nimmt der Artikel im 'Zedler' eine Sonderstellung ein. Die riesige Flut an Schriften über ihn riß nach dem Jahr 1738 schnell ab. Nach 1740 gibt es nur noch einige wenige Schriften, die sein Schicksal schildern.(3) Daher muß es als auffällig angsehen werden, daß plötzlich im Jahr 1744 die Darstellung im 'Zedler' das Publikum nochmals mit Süß Schicksal konfrontiert. Hier ist zu fragen, inwieweit Gerbers eingangs zitierte These von der Wichtigkeit dieser Veröffentlichung in der Mitte des 18. Jahrhunderts zutrifft.
Da eine ausführliche Besprechung des gesamten Artikels den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, wurden einige Punkte ausgewählt, die als beispielhaft für das Vorgehen des Autors angesehen werden können.

Der 'Oppenheimer'-Artikel in Johann Heinrich Zedlers 'Universal-Lexikon'.

Als der hier zu betrachtende Artikel über Joseph Süß Oppenheimer im 'Grossen vollständigen Universal-Lexikon Aller Wissenschaften und Künste' erschien, war der Herausgeber schon 14 Jahre mit diesem gewaltigen Projekt beschäftigt. Im Jahr 1730 hatte der Leipziger Buchhändler und Verleger Johann Heinrich Zedler dieses Werk in Angriff genommen.
Der 'Zedler' wendet ganze neun Spalten für den Artikel über Süß auf. Damit entspricht der Texumfang dem des Artikels über Karl d.Gr. und ist umfangreicher als die Artikel über historisch bedeutende Persönlichkeiten wie Papst Gregor VII., Galileo Galilei und Francis Bacon.(4)
Aus dem Umfang des Artikels allerdings auf die historische Bedeutung des Joseph Süß in der Mitte des 18. Jahrhunderts zu schließen, wie Gerber dies gern möchte, ist nicht möglich. Immerhin umfaßt der Artikel über Herzog Carl Alexander von Württemberg, für den Süß tätig war, 23 Spalten, also deutlich mehr als bei den schon genannten Persönlichkeiten.(5) Der 'Oppenheimer'-Artikel ist nun einmal nicht Teil einer in der Zeit um 1744 nach dem Abbrechen des allgemeinen Interesses erneuten Auseinandersetzung mit dem geschilderten Schicksal, sondern steht völlig allein. Es ist auch aufgrund der herangezogenen zeitgenössischen Literatur nicht zu beobachten, daß der Artikel über Süß in irgendeiner Weise einen Einfluß hatte, oder in anderen Werken 'Spuren' hinterließ. Es hat eher den Anschein, als sei dieser Artikel bis zu seiner 'Wiederentdeckung' durch Barbara Gerber völlig ignoriert worden. Die bis zu ihrer Veröffentlichung maßgeblichen Werke zu Süß (Wüst, Elwenspoek, Stern) gehen in keinster Weise auf die Existenz des Artikels ein. Dies mag auch bedeuten, daß diese Autoren zwar den Artikel kannten, durch diesen dann aber auf die ihm zugrundeliegende Literatur aufmerksam wurden und diese zur Grundlage ihrer Arbeit machten.
Es ist nun die Gewichtung zu betrachten, die der 'Oppenheimer'-Artikel den einzelnen Abschnitten von Süß' Leben zuweist. Über die Herkunft von Joseph Süß wird wenig mitgeteilt, nur 31 Zeilen berichten von Familie, Herkunft und Aufstieg. Ein Abschnitt von nur 10 Zeilen erzählt davon, wie er die Bekanntschaft des Prinzen Carl Alexander machte, von seinem Leben am Hofe zu Stuttgart berichten die nächsten 37 Zeilen. Es folgt ein großer Abschnitt über die 'Tätigkeiten' des Hof-Juden von 61 Zeilen. Mit der darauf folgenden Darstellung eines Betrugsvorwurfes gegen Süß, seine Bedrängnis durch verschiedene Ankläger und dem vollständig abgedruckten 'Absolutorium' vom 12. Februar 1737, was alles zusammen 107 Zeilen umfaßt, wird zu Verhaftung, Prozess und Hinrichtung übergeleitet. Für diese Schilderungen werden ganze 290 Zeilen (Sp. 161-165) aufgewandt, ein deutliches Übergewicht gegenüber dem Vorangegangenen. Damit steht zunächst fest, daß es dem Autor keinesfalls um eine historisch-biographische Darstellung des Lebens des Süß ging, sondern daß er seinen Text allein unter dem Aspekt der spektakulären Hinrichtung verfaßte. Allerdings ist schon hier einzuwenden, daß den Autoren der Zeit nur sehr wenige Informationen zum Leben des Süß vor seiner Tätigkeit für Herzog Carl Alexander zur Verfügung standen, nichts über die Interna des geheim geführten Prozesses bekannt war und der Hinrichtungstag mit seinen Ereignissen durch verschiedene Publikationen von Augenzeugen den Zeitgenossen in den lebendigsten Farben vor Augen stand. Schon allein aus dieser rein formalen Sichtung des Textes läßt sich erkennen, wie gering sein zu erwartender Wert als historische Darstellung nur sein kann. Bei der inhaltlichen Untersuchung der vorgestellten Sinnabschnitte wird zu zeigen sein, aufgrund welcher Informationslage der Autor seine Darstellung verfaßte.

Die Vorlagen für den 'Oppenheimer'-Artikel.

Die Autorenfrage für den vorliegenen 'Oppenheimer'-Artikel ist nicht zu beantworten. Zu ermitteln sind lediglich die Vorlagen, die zur Erstellung des Textes verwendet wurden. Es wird hier von 'Erstellen' gesprochen, da der Text nur zum allergeringsten Teil vom Bearbeiter selbst formuliert wurde.
Der Hauptteil des 'Zedler'-Textes stammt aus der Feder des 'Magisters der Weltweisheit' Michael Ranfft. Dieser war Autor und Herausgeber einer recht großen Zahl von Schriften, wie die umfangreiche Liste im 'Zedler' zeigt.(6) Unter diesen Publikationen findet sich auch 'Der Genealogisch-Historische Archivarius', eine Zeitschrift über die Vorkommnisse an den Höfen 'Hoher Personen', die Ranfft seit 1731 jährlich herausgab.(7) Im 'Ersten Stück' dieser Zeitschrift des Jahres 1738 publizierte Ranfft die Süß-Biographie, die mit nur wenigen Ergänzungen versehen in den Zedler übernommen wurde.(8) Daher mag der beträchtliche Umfang des 'Oppenheimer'-Artikels im 'Zedler' auch allein auf den Umfang des Textes von Ranfft zurückgehen.
Der Bearbeiter ergänzte den Text von Ranfft durch einen Einschub, der die Bekehrungsversuche in der Haft schildert. Dieser Abschnitt wurde ohne Eingriff in die Formulierungen dem Aufsatz 'Von Würtenberg' im 'Historischen Jahr-Buch vom Jahre Christi 1738' entnommen.(9) Diese beiden zugrundegelegten Veröffentlichungen werden auch am Ende des Artikels als Literaturangaben genannt.
Das wenige, was der Bearbeiter selbst zu seinem Text beitrug, besteht in dem Hinweis am Ende des 'Bekehrungseinschubs': "Siehe davon in den frühaufgelesenen Früchten An. 1738, p. 250." und einem möglichen und bei der Vorstellung des Textes zu besprechenden Eingriff in den Text von Ranfft, bei dem die Reihenfolge einiger Sinnabschnitt geändert wurde.
Im Zusammenhang mit der Enstehung des im 'Zedler' abgedruckten Textes ist auch nach den Vorlagen des von Michael Ranfft verfaßten Textes fragen. Barbara Gerber wies auf die Abhängigkeit zwischen Ranffts Text und dem von David Fassmann im Jahr 1737 veröffentlichten 'Gespräche in dem Reiche derer Todten ...' hin(10) Ein eingehender Vergleich beider Texte zeigt nicht nur die von Gerber gesehene 'Abhängigkeit', sondern wiederum wörtliche Übernahmen.
Doch so einfach, wie die Beantwortung der Frage nach einer zweiten Vorlage nach Gerber und auch nach einem flüchtigen Vergleich zwischen Fassmanns Text und Ranffts Text erscheint, ist dieser Komplex nicht. Bei genauerer Untersuchung ergibt sich ein sehr komplexes Bild von mehrschichtigen Abhängigkeiten.
Mit dem Beginn der Schilderungen von Süß' Schicksal vom 10. Januar 1738 bis zu seinem Tod verwendet Ranfft neue Vorlagen. Dies ist einmal, wie Gerber richtig erkannte, das 'Totengespräch' von Fassmann, daneben aber auch die umfangreiche Süß-Biographie mit dem Titel 'Vollkommene Historie und Lebens=Beschreibung des fameusen und berüchtigten Wütrembergischen Avanturiers, Jud Joseph Süß Oppenheimer', die unter dem Pseudonym 'Arnoldus Liberius' im Jahr 1738 publiziert wurde. Ranfft entnahm dieser Biographie die Schilderung der Überführung des Süß von Hohen-Asperg nach Stuttgart ins Herren-Haus.(11) Der folgende Abschnitt über die Verlesung des Urteils am Morgen des 4. Februar 1738 lehnt sich eng an die Darstellungen des 'Jahr-Buches' und Liberius an, es ist aber nicht wirklich zu entscheiden, welchem Text Ranfft folgte, da er hier nun doch einmal frei formuliert.(12) Den folgenden Abschnitt, mit der Verlesung des Urteils, dem Urteilstext, der Reaktion des Verurteilten, bis hin zur Schilderung von Süß Reaktion auf den nochmaligen Bekehrungsversuch durch Vikar Hofmann hat Ranfft wiederum deutlich erkennbar bei Liberius entlehnt.(13) Hierbei gibt es kleine Abweichungen in den Formulierungen, aber die Nähe der beiden Texte ist sehr groß. Festzustellen ist durch den Vergleich der drei Texte untereinander aber auch, daß wohl schon Liberius aus dem Jahr-Buch schöpfte, da seine Formulierungen wiederum diesem sehr nahestehen.(14) Obwohl Ranfft nachweislich das 'Jahr-Buch' kannte, ließ er in seiner Schilderung die Bekehrungsversuche(15) weg. Dadurch entsteht die absurde Situation, daß der 'Zedler'-Bearbeiter in Ranffts Text einen Passus einfügte, den dieser übergehen wollte und so in diesem Abschnitt des Artikels den ursprünglichen Text wiederherstellte. Der Abschnitt über den Weg zum Hinrichtungsplatz entnahm Ranfft wieder dem Buch von Liberius.(16) Hierauf folgt die Beschreibung der Hinrichtung, wobei durch die Umstellung einzelner Absätze bei Ranfft sich der Eindruck nicht verwehren läßt, der 'Zedler'-Bearbeiter habe das von ihm nicht erwähnte Buch von Liberius vorliegen gehabt, denn die Erzählfolge im 'Zedler' entspricht Liberius eher als Ranfft. Die folgende Tabelle macht dieses Problem anschaulich:



Jahr-Buch 1738Arnoldus Liberius 1738Ranfft 1738'Zedler' 1744
Weil zu vermuthen war, daß die Juden diesen gehenckten heimlich vom Galgen wieder herunter thun würden, ... (Jahr-Buch, S. 244, Z. 5-7)->->... weil man besorgte es möchten die Juden seinen Cörper heimlich wegzubringen suchen. (Sp. 165, Z. 16-18)
... so wurde dermalen dieser Kefig, welcher sechs Schuh hoch war, gemacht; ... (Jahr-Buch, S. 244, Z. 8-9)->2) Es ist das gedachte Gegitter oder Kefig 6. Schuh hoch gewesen, ... (S. 104, Z. 12-13)Es ist aber das gedachte Gitter oder Kefig 6 Schuh hoch gewesen, ... (Sp. 165, Z. 18-20)
... der eiserne Galgen stunde aber schon seit tausend fünf hundert sieben und neunzig, und ließ damals der Hertzog Friedrich einen betrügerischen Goldmacher, Nahmens Honauer daran knüpffen. (Jahr-Buch, S. 244, Z. 9-14)Der Galgen wurde schon im Jahr 1597. für einen sich ausgegebenen Goldmacher und Ertz=Betrüger, Namens Georg Honauer, erbauet, welcher auch zu Zeiten des Durchlauchtigsten Hertzogs Friderici, den 12. April besagten Jahres mit Flitter-Golde würcklich daran aufgehencket worden. [...] Die Leiter zu dem Galgen war 48 Schuh lang, mithin kann man sich einbilden, daß er ziemlich hoch gewesen sein müsse. [...] (S. 109, Z. 11-21)3) ... der eiserne Galgen aber ist A. 1597. gemacht worden, als man zu Hertzogs Friderici Zeiten den Goldmacher Honauer mit Flitter=Golde aufgehencket. Die Leiter zu dem Galgen war 48. Schuh lang, woraus man sich einiger massen die Höhe des Galgens vorstellen kan. (S. 104, Z. 13-19)... und der eiserne Galgen, der 1597 gemacht worden, als man zu Hertzog Friedrichs Zeiten den Goldmacher Honauer mit Flitter-Golde daran henckte, muß sehr hoch gewesen seyn, weil die Leiter, auf welcher Süß hinauf gezogen worden 48 Schuh lang gewesen ist. (Sp. 165, Z. 20-25)
->Der Zulauff des Volcks war unbeschreiblich groß, indem nicht nur die Stadt= und Land=Leute aus allen benachbarten Oertern, sondern auch viel Fremde aus entlegenen Städten, als Zuschauer zugegen waren. (S. 106, Z. 8-12)1) Der Zulauff des Volcks ist unbeschreiblich groß gewesen, indem nicht nur die Stadt= und Land=Leute aus allen benachbarten Orten, sondern auch viele Fremde aus entlegenen Städten als Zuschauer zugegen gewesen. (S. 104, Z. 8-12)Ob nun gleich der Zulauf des Volcks bey dieser Hinrichtung des Juden, unbeschreiblich gewesen; ... (Sp. 165, Z. 25-27)
->Von welcher unsäglich andringenden Menge Volcks aber dem Maleficanten weder einige Schmach=Reden, viel weniger thätliche Insultationen widerfahren, noch auch die geringste Unordnung oder Unglück bey dieser ganz ausserordentlichen Execution vorgegangen. (S. 106, Z. 12-17)4) Ubrigens hat man nicht gehöret, daß dem Juden bey seiner Hinausführung von dem unzehlig herzudringenden Volcke einige Schmach=Reden wie vormals, da man ihn gefangen gesetzt, vielweniger thätliche Beleidigungen zugefüget worden; wie man denn überhaupt die guten Anstalten bey dieser Execution gar sehr gerühmet hat. (S. 104)... so hat man doch nicht gehöret, daß er von dem unzählig herzu dringenden Volcke einige Schmach-Reden, vielweniger thätliche Beleidigungen, wie vormahls, da man ihn gefangen gesetzt, hätte ausstehen dürffen. Und es verdienen die guten Anstalten, bey dieser Execution allerdings gerühmet zu werden. (Sp. 165, Z. 27-33)
Tabelle: Vergleich der Vorlagentexte mit dem 'Oppenheimer'-Artikel im 'Zedler'. Die Nummerierungen (1-4) in der Spalte mit dem von Ranfft verfaßten Text geben die bei Ranfft ursprüngliche Reihenfolge der Abschnitte an. Auch ist die Vermischung der Vorlagen an diesem Beispiel gut zu erkennen. (Unterstrichen sind die im Druck in Antiqua gesetzten Buchstaben.)


Der letzte Abschnitt über die Hinrichtung des Süß folgt also bei Ranfft in erster Linie dem Text im 'Jahr-Buch', doch schiebt er immer wieder Textteile aus Liberius ein.
Abschließend bleibt zu dem hier besprochenen Komplex zu sagen, daß zwar die direkten Vorlagen des 'Oppenheimer'-Artikels ermittelt werden können, aber weiter nichts über die zugrundeliegenden Quellen festgestellt werden kann. Es mag zunächst ausreichend sein, festzuhalten, daß die Benutzer des 'Zedler' im Jahr 1744 einen Artikel vorliegen hatten, der aus Textteilen bestand, die von Zeitgenossen der beschriebenen Geschehnissen geschrieben wurden. Es fällt also eine Reflexion der Ereignisse über die bis zum Erscheinen des betreffenden Lexikon-Bandes vergangenen Jahre weg. Der 'Bearbeiter' ließ keinen Eigenanteil einfließen, der auf eine neue Deutung des Geschehens um Joseph Süß in der Zeit um 1744 schließen läßt.

Die Darstellung von Süß Leben im 'Zedler'

Wie oben festgestellt wurde, entspricht der 'Oppenheimer'-Artikel in seinen Hauptteilen wörtlich dem von Michael Ranfft verfaßten Text. Bei der folgenden Besprechung einzelner Abschnitte des Artikels wird dieser Umstand stillschweigend vorausgesetzt.
Um nun den Wert dieses Artikels als historische Darstellung zu beurteilen, werden im folgenden einzelne Abschnitte auf ihre Zuverlässigkeit befragt werden. Auf diese Weise ist das Bild zu erarbeiten, das sich dem Leser in der Mitter des 18. Jahrhunderts von Süß bieten mußte. Dabei ist allerdings auch immer wieder auf die Vorlagen des Artikels zurückzugreifen und sind die Ergebnisse der modernen Forschung zu berücksichtigen. Hierbei ergibt sich allerdings die Schwierigkeit, daß nur die Arbeiten von Elwenspoek, Stern und Haasis zugrundegelegt werden können, ohne daß eine Kontrolle von deren Thesen anhand der Quellen möglich wäre. Doch auch so erscheint es möglich, eine klare Trennung zwischen den Legenden des 18. Jahrhunderts und der tatsächlichen Quellenlage vorzunehmen.

Die Herkunft

>>Süß Oppenheimer, (Joseph) war von Franckfurt am Mayn gebürtig und hatte im Jahr 1692 das Licht der Welt erblicket. Seine Familie ist eine von den berühmtesten und vornehmsten unter den heutigen Juden. Sie stammet aus der Stadt Oppenheim, her, und hat davon den Zunahmen angenommen. Zu Wien und Prag ist dieser Nahme bey der dasigen Judenschafft in ganz besondern Ansehen.<<(17)
Als Geburtsort wird hier Frankfurt am Main angegeben. Dies ist überraschend, nennt doch Liberius den richtigen Geburtsort Heidelberg.(18) Aufgrund welcher abweichenden Quellen Ranfft von Frankfurt spricht, muß ungeklärt bleiben, die sonstige Abhängigkeit seiner Beschreibung von Süß Familie und Herkunft von Liberius ist augenfällig.
Als Geburtsjahr gibt Süß selbst in seinen Verhören das Jahr 1698 oder 1699 an, wenn er davon spricht, er sei 38 oder 39 Jahre alt, als er am 28. März 1737 vernommen wird.(19) Zwei weitere Male spricht er gegenüber Johann Philipp Pregizer und Immanuel Hoffmann von seinem Alter, demnach stand er 1737 im 40. Lebensjahr.(20) Auch Fassmann, von Ranfft als Vorlage benutzt, geht von diesem Alter aus und legt Carl Alexander folgende Worte in den Mund: >>Der Jud seines Orts, ob er schon ein verheyratheter Mann ohngefähr von viertzig Jahren seyn mag, ...<<.(21) Des weiteren zitiert Arnoldus Liberius ein ªEpithaphum und Denck=Schrift´, in dem sich folgende Zeile findet: >>Er war 40. Jahr alt, hat aber dieses Zimmer auf mehr als 40. Jahr in Bestand genommen.<<(22) Alle diese Stellen beweisen eindeutig, daß das wahre Alter und damit das Geburtsjahr von Süß seinen Zeitgenossen bekannt war. Dagegen geben, wie Elwenspoek schreibt, >>Sämtliche Biographien des Süß, deren eine Fülle schon im Jahr 1738 erschienen ist, [...] übereinstimmend das Jahr 1692 als sein Geburtsjahr an.<<,(23) was auch durch Liberius und Ranfft bestätigt wird. Wie es zu dieser hartnäckig überlieferten abweichenden Datierung wirklich kam, ist kurz zu betrachten. Hierbei ist der folgende Abschnitt des 'Zedler'-Artikels zu berücksichtigen: >>Einigen Nachrichten zu folge, soll obgedachter Süß Oppenheimer ein Bastard von einem Christen seyn. Seine Jüdische Mutter, die vormahls wegen ihrer Schönheit bekant gewesen, soll sich vor weniger Zeit noch haben am Leben befunden, sein angegebner Vater aber frühzeitig verstorben seyn, worauf er einen Juden zum Pfleg-Vater bekommen, von dem er auch den Nahmen empfangen, und nach Jüdischer Weise erzogen worden. An der Richtigkeit dieser Nachricht wird von den meisten gezweiffelt. Jedoch es mag dieselbe Grund haben oder nicht, so ist doch so viel gewiß, daß Süß jederzeit vor einen wahrhafftigen Juden gehalten worden.<<(24)
Zu vermuten ist, daß sich in dem frühen Geburtsdatum die angebliche Vaterschaft von Heidersdorfs wiederspiegelt. Denn dieser war 1697, dem frühesten sonst bekannten Jahr für Süßs Geburt, schon seit fünf Jahren in Haft.(25) >>Weniger leicht ist es,<< schreibt Stern, >>den Schleier von einer bis heute [1929; J. D.] Legende zu haben, die Joseph zum unehelichen Sohn des Freiherrn Georg Eberhard von Heidersdorf, ... macht.<<(26) Kein Hinweis auf diese Vaterschaft findet sich in den Gerichtsakten zum Prozeß gegen Süß und in denen des gegen seinen angeblichen Vater gerichteten Prozesses, die auch dessen Liebesleben nicht ausließen.(27) Die Frage, aufgrund welcher ihm vorliegenden Informationen Ranfft schon 1738 schreiben konnte: >>An der Richtigkeit dieser Nachricht wird von den meisten gezweiffelt.<< muß offenbleiben. Aus den zugänglichen Quellen und Vorlagen für den Artikel im 'Zedler' ist nicht zu ersehen, wer es war, der schon im Todesjahr Süßs diese Legende anzweifelte.
Süß müßte also 1692 geboren sein, um der Sohn des Heidelberger Festungskommandanten sein zu können. Diese Datierung hatte sich allem Anschein nach schon 1738 dermaßen gefestigt, daß selbst Ranfft mit seinem skeptischen Hinweis auf die Kritik an dieser Legende das Datum festschrieb. Für Ranfft war demnach bei der Abfassung seiner Schrift nicht die der Wahrheit entsprechende und ihm bekannte Angabe Fassmanns ausschlaggebend, sondern die Behauptung des Liberius, daß Süß >>... im Jahr 1692. das Licht der Welt erblickte.<<(28) Und so konnte sich das falsche Datum bis in den Artikel im 'Zedler' retten.
Zur angeblich unehelichen Abkunft Süß schreibt Liberius: >>Uberdis so will man von seinem Ursprung und Geburth viel eine andere Nachricht haben. Seine Mutter soll nemlich von einer extraordinairen Schönheit gewesen seyn, in diese, ob wohl sie eine gebohrne Jüdin war, habe sich der damalige Commendant in Heidelberg [Georg Eberhard von Heidersdorf; J.D.] so vergafft, daß er keinen Fleiß gespahret, sie zu seinem Willen zu verleiten, von welcher unkeuschen Liebe dieser Joseph Süß ein Zeuge seyn soll.<<(29) Hierbei setzt Liberius voraus, daß Michele zum Zeitpunkt der Liaison mit von Heidersdorf schon mit Süßkind Oppenheimer verheiratet war, denn er berichtet nichts von einer vorehelichen Beziehung der Mutter mit dem Festungskommandanten.
Daß schon 1738 Erklärungsbedarf für diese konstruierte Geschichte bestand, zeigt sich in der Darstellung von Ranfft. Dort liest sich die geraffte Darstellung zu diesem Thema so: >>Einigen Nachrichten zu Folge, soll unser Süß Oppenheimer ein Bastard von einem Christen seyn. Seine Jüdische Mutter, die vormals wegen ihrer Schönheit bekannt gewesen, soll sich noch am Leben befinden, sein angegebener Vater aber frühzeitig verstorben seyn, worauf er einen Juden zum Pfleg=Vater bekommen, von dem er auch den Namen empfangen, und nach Jüdischer Weise erzogen worden.<<(30) Ranfft versucht hier nun offensichtlich, die ihm bekannten unklaren Angaben zu Süß Vater dem Leser als bruchlose Geschichte zu präsentieren. Aus den Zeilen ist zunächst eine Beziehung der Mutter mit einem hier ungenannten Christen herauszulesen. Daß diese Beziehung unehelich war, ist nach der damaligen Rechtslage, die eine Ehe zwischen Juden und Christen unmöglich machte, zu schließen. Erst nach dem Tod des Vaters habe sie dann den ungenannten Süßkind Oppenheimer geheiratet, der dem Sohn seiner Frau seinen Familiennamen gab. Süßkind Oppenheimer und Michele heirateten erst 1697,(31) was Ranfft offensichtlich bekannt war, denn sonst hätte er diese Geschichte nicht konstruieren können. Die Abweichungen zu Liberius in diesem Punkt sind so augenfällig, daß Ranfft schon die Unmöglichkeit der von diesem mitgeteilten Herkunftsgeschichte Süß bewußt gewesen sein muß. Daß Ranfft den angeblichen christlichen Vater nach der Geburt des Sohnes gestorben sein läßt, zeigt, daß ihm nur wichtig ist, Süß sei der Bastard eines Christen, nicht die historische Wahrheit. Denn daß Heidersdorf als Vater gehandelt wurde, war Ranfft aus der Schrift des Liberius bekannt, das Schicksal des Heidelberger Festungskommandanten dürfte ihm ebenfalls geläufig gewesen sein. So muß eine Absicht hinter seiner Darstellung der Herkunft Süß gesteckt haben. Dem Juden, der nach allen Zeugnissen vor seinem Tode ein standhaftes Bekenntnis für seine Zugehörigkeit zur jüdischen Religion ablegte, sollte auf diese Weise um seine Religion gebracht werden. Nur durch seine Erziehung, nicht durch seine Abstammung, sei Süß als Jude angesehen worden. Daß einem solchen Menschen die verwerflichsten Verbrechen zuzutrauen seien, spricht Ranfft nicht aus, aber er weist seinen Lesern diesen Weg.
Tatsächlich war Joseph Süß Oppenheimer ein Sohn des Süßkind Oppenheimer aus dessen zweiter Ehe mit Michal (Michele) Chasan, die noch einen weiteren Sohn und eine Tochter mit ihm hatte.(32) Stern schreibt über Michele: >>Ihre ungewöhnliche zarte Schönheit, die sie ihren Kindern vererbte, wird die Ursache gewesen sein, daß eine primitive Psychologie die Wesensart des Sohnes aus dem Charakter seiner Mutter herleitete.<<,(33) macht aber keine Angaben zur Herkunft ihrer Behauptung über die Schönheit dieser Frau.

Joseph Süß und Herzog Carl Alexander von Württemberg.

Der entscheidende Wendepunkt im Leben des Süß war die Bekanntschaft mit dem Prinzen Carl Alexander von Würtemberg. Diese Begegnung stellt der Artikel folgendermaßen dar: >>Sonderlich glückte es ihm mit dem letzt verstorbenen Hertzog Carl Alexandern, von Würtemberg=Stutgard, ehe derselbe noch zur Regierung gelangte, bekannt zu werden. Er gieng ihm öffters mit einem Darlehn von vielen tausend Gulden an die Hand, und war ihm fast in allen zu Willen gegen eine ziemlich erleidliche Erkänntlichkeit.<<(34) Die Begegnung des reichen Finanziers mit dem notorisch in Geldnöten befindlichen Statthalter von Serbien kam auf Vermittlung des württembergischen Hofjuden Isaak Landauer zustande. Süß gewann schnell das Vertrauen des Fürsten und dieser ernannte ihn am 14. November 1732 zum >>Hof- und Kriegsfactor<<. Von da wirkte Süßan auch als Privatbankier Carl Alexanders. Daneben wurde er noch von dessen Gemahlin Maria Augusta zum >>Agenten<< ernannt. >>Dieser Agententitel, ursprünglich die Bezeichnung für einen Diplomaten zweiten Ranges, hatte schon seit dem 16. Jahrhundert jeden diplomatischen Charakter verloren. Die Agenten sanken zu Korrespondenten herab, die alle größeren und kleineren Fürsten an besonders wichtigen Plätzen hielten. Sie hatten ihren Höfen über die Vorgänge in der Politik, über die Ereignisse des Tages, auch über höfischen Klatsch zu berichten, ... <<(35) Einzige Folge dieses nicht dotierten Titels war für Süß seine Befreiung >>... von allen Zoll-, Straßen-, Juden- und sonstigen Abgaben ...<<.(36) Allein die mit dem Titel verbundene Abgabenfreiheit war für Süß attraktiv. Nach seiner Ernennung steht Süß dem Fürsten jederzeit mit Krediten, aber auch mit Juwelen und anderen Luxuswaren zur Seite.
Was nun in der hier zitierten Schilderung völlig außen vor bleibt, ist die Tatsache, daß Süß nicht allein für Carl Alexander tätig war. Zur gleichen Zeit, als Süß schon bei Carl Alexander in Diensten stand, wurde er von Landgraf Ernst Ludwig von Hessen zum 'Hof- und Kriegsfaktor', sowie zum 'Kabinetsfaktor' ernannt, diente daneben aber auch dem Kölner Erzbischof als 'Hof- und Kammeragent' und dem Kurfürsten von der Pfalz als 'Admodiator des gestempelten Papiers'.(37) Im 'Zedler' findet sich kein Hinweis auf diese Häufung von Ämtern, in seiner Darstellung muß es so erscheinen, als habe sich der reiche Jude den leichtgläubigen Prinzen Carl Alexander als Opfer ausgesucht.

Süß als Kabbalist.

Die Mystik des Judentums, die Kabbalistik, war den Christen des 18. Jahrhunderts suspekt. So verwundert es nicht, daß Süß auch damit in Verbindung gebracht wird:
>>Er prophezeyhte ihm [Carl Alexander; J.D.] auch durch eine cabbalistische Ausrechnung die Nachfolge in der Regierung, und schoß ihm bereits viele tausend Gulden vor.<<(38) Aus welcher Quelle die Behauptung, Süß habe eine solche Prophezeiung von sich gegeben, stammt, ist nicht zu ermitteln. In Fassmanns 'Todtengespräch' taucht sie auf,(39) wird von Ranfft (nicht von Liberius!) übernommen und findet so ihren Weg in den 'Zedler'. Diese Behauptung hat besonders Elwenspoek beeindruckt, der spekuliert, bei dem Bekanntwerden Süß mit dem Prinzen Carl Alexander >>...scheint [...] ein Stück Sternenglaube, ein Stück Aberglaube mitgespielt zu haben. Und wenn der Überlieferung auch die authentisch=aktenmäßige Unterlage fehlt, so entbehrt jenes Gerücht doch nicht der Glaubwürdigkeit, demzufolge Süß dem Prinzen gleich zu Beginn ihrer Bekanntschaft im Jahre 1732, als die Frage der Thronfolge noch keineswegs geklärt war, ein kabbalistisches Horoskop hat stellen lassen, in welchem dem Prinzen die Herzogskrone von Württemberg prophezeit wurde. Wenn dieses kabbalistische Orakel wirklich befragt worden ist - und das wird wiederholt behauptet -, mußte er nicht in jener Zeit astrologischen und alchimistischen Aberglaubens, in jenem Jahrhundert mysteriöser Logenbräuche, ... den Fürsten mit mystischem Zwang an den Propheten seines Glückes ketten?<<(40) Dabei gibt Elwenspoek keine Quellen an. Allein aus seiner Literaturliste läßt sich schließen, daß er seine Kenntnisse zumindest aus Fassmann und Liberius bezog, die aber, wie hier immer wieder gezeigt wird, voneinander abhängig sind. Elwenspoek kann zu dieser Frage also keine weiterführende Antwort geben. Ähnlich ist das Problem aber auch bei Stern gelagert. Sie schreibt: >>Die Volksmeinung hat späterhin auch Joseph Süß zu einem Kabbalisten gestempelt. Sie sprach viel von einem Horoskop, durch das er dem Prinzen Karl Alexander die württembergische Herzogskrone prophezeite, ...<<(41) Auch sie unterläßt es, Quellen für ihre Behauptung anzuführen. Liberius spricht nicht von solchen Behauptungen, der Süß immerhin zugestand, sein ª... Verstand, Judicium und Gedächtniß war so vortefflich ...´, daß Süß hätte ªStaats=Minister´ werden können,(42) was aber auch eine nicht unwichtige Begabung für einen Kabbalisten gewesen wäre. Die entsprechende Ausbildung hatte Süß dieser Darstellung zufolge allerdings nicht. Stern verweist zwar auf eine zu erwartende grundlegende Ausbildung des jungen Süß, doch bleibt auch hier ein tieferes Eindringen in die Mysterien der Kabbala außen vor.(43)
Allerdings hat für die Darstellung des Juden Joseph Süß Oppenheimer dieser kleine Hinweis auf seine Tätigkeit als Kabbalist eine nicht geringe Bedeutung. Wenn dieser Hinweis bei Fassmann wie dann bei Ranfft auch sehr nebensächlich, mehr wie eine Randnotiz, in den Text einfließt, dürfte er bei dem zeitgenössischen christlichen Publikum seine Wirkung hinterlassen haben. Die Kabbalistik war zu dieser Zeit im Gespräch, schon seit dem Mittelalter beargwöhnt von den weltlichen und kirchlichen Autoritäten. Wenn Süß schon Verbrechen über Verbrechen auf sich lud, so war ihm in der Vorstellung der christlichen Gesellschaft des 18. Jahrhunderts die Abfassung von obskuren Horoskopen durchaus zuzutrauen. Dies würde damit auch die Verschlagenheit des Juden bezeugen, der sich auf geschäftliche Transaktionen mit dem Anwärter auf den Herzogsthron erst einließ, als auch er selbst die Bestätigung für dessen künftige Solvenz durch sein Horoskop bestätigt sah. Süß wird also durch diese eingestreute Behauptung auch noch zu einer Art Hexer hochstilisiert, der sich auch mantischer Techniken bedient, um sich seines wirtschaftlichen Gewinns sicher zu sein. Ein deutliches Bild von dem diesem Hokuspokus gänzlich abgewandten Wesen Süß' gibt eine Episode, die Elwenspoek schildert, der ihm doch selbst, wie oben zitiert, die Erstellung des Horoskops zutraute. Carl Alexander hatte einen Astrologen kommen lassen, der seine absonderlichen Verrichtungen von dieser Zeit an für den Herzog betrieb. >>Dieser Sterngucker hatte versprochen, nach sieben Tagen den Ausgang des fürstlichen Vorhabens [den von Elwenspoek postulierten Staatsstreich; J. D.] aus der Zukunft Buch zu lesen. Jud Süß lachte dem graubärtigen Massemattenmacher ins Gesicht und nannte ihn einen Blödkopf.<<(44) Der 'Kabbalist' Süß ist wohl doch nur eine Fiktion.

Der Finanz-Rat

>>Allein das verschlagne und aufgeweckte Wesen des Juden brachte ihn bald bey dem Hertzog in weit größere Gnade. Er würdigte ihn einer ganz besondern Vertraulichkeit, und behielt ihn bey sich am Hofe. Er gab zwar einen halben Hof-Narren ab, aber in solcher Qualität, hatte er die erwünschteste Gelegenheit sowohl mit dem Hertzoge als den vornehmsten Personen seines Hofes sehr frey und familiär umzugehen. Er mischte sich demnach bey Hofe in alle Gesellschafften, spielt, tanzte, scherzte, schmauste und courtesirte; ja er agirte in allen Stücken einen vornehmen und galanten Hof-Cavalier, zumahl da ihm der Hertzog den Caracter eines geheimen Finanz=Rathes beylegte.<<(45)
Die übergroße Vertraulichkeit, die der Herzog im Umgang mit Süß an den Tag legte, hat sich in allen Darstellungen niedergeschlagen. Dieses Verhältnis wird insbesondere durch die Briefe des Herzogs gestützt, in denen >>... gibt er sich vertraulich, unbekümmert, persönlich und warm.<<, wie Stern festhält.(46) Sein Verkehr bei Hofe wird Süß von seinen Biographen natürlich als negativ ausgelegt und wohl nur unter diesem Vorzeichen wurde seine Beteiligung an den Unterhaltungen der höfischen Gesellschaft überliefert.
Erst am 30. Juni 1736 wird Süß zum 'Geheimen Finanzrat' ernannt.(47) Dies ist seine erste Aufgabe, die tatsächlich einem Staatsamt entspricht. >>Mit der Ernennung zum 'Geheimen Finanzrat' kam Süß dem Regierungsapparat gefährlich nahe, verfügte über größere Eingriffsmöglichkeiten, hielt sich aber konsequent von allen Sitzungen eines Regierungsministeriums fern und weigerte sich, ein regierungsamtliches Dokument zu unterschreiben.<<(48)
In der Darstellung im 'Zedler' muß es dem Leser aber so erscheinen, als wäre Süß nach recht kurzer Zeit am Hofe Carl Alexanders und mehr aus einer Laune heraus zum Finanz-Rat ernannt worden. Die wirkliche Qualität dieses Amtes kommt nicht zu Geltung.
>>Er trug ein glattes Kinn, hielt sich prächtig in Kleidung, führte besondre Liberey, und hatte seine eignen Carossen und Pferde. Bey Hofe machte er alles mit. Er aß und tranck was ihm vorkam, nur daß er sich des Schweine=Fleisches enthielt. Es grauete ihm auch so wenig vor dem Umgange mit christlichen Frauenzimmer, daß er vielmehr verschiedne öffentliche Maitressen von ihnen, auch so gar verehlichten Standes, hatte, mit denen er einen sehr ärgerlichen Lebens=Wandel führte.<<(49)
Was das angeblich so ausschweifende Liebesleben von Süß betrifft, kommt Haasis zu dem ernüchternden Schluß: >>Da Süß sich nur flüchtig mit Frauen abgab und keine Damen der höheren Gesellschaft sich mit ihm einließen, behalf er sich oft mit Prostituierten. Das entsprach dem Hofstil.<<(50) So führt Haasis einige Fälle an, in denen es Süß nicht gelang, bei einer Frau zum Zuge zu kommen. Allerdings sind drei Vergewaltigungen aktenkundig geworden. So tat er den Bittstellerinnen Catharina Agatha Reyher und Christina Dorothea Hettler und Regina Margaretha Walter Gewalt an. Diese Fälle blieben aber bedeutungslos für das Urteil.(51) Liebesbeziehungen zu ªadeligen Damen´ lassen sich nicht belegen.
Durch die bald nach seiner Verhaftung erfolgte Beschlagnahme aller beweglichen Güter in Frankfurt wurde auch der Inhalt von Süß' Bibliothek bekannt. Die Inventarliste umfaßt 111Werke.(52) Auf welchem Wege die Existenz dieser Bibliothek Ranfft bekannt wurde, muß offen bleiben. Er erwähnt dies als einziger Autor.
Die geschilderten Vertraulichkeiten fanden für die Zeitgenossen ihren unglaublichen Höhepunkt in der Regelung des Zugangs für Süß zur Person des Herzogs: >>Bey dem Hertzoge hatte er zu allen Zeiten und Stunden einen freyen Zutritt, und kriegte so viel Gehöre, als er verlangte.<<(53) Der Kammerdiener Demmler bestätigte in seiner Aussage, daß Süß des öfteren auch dann, wenn der Herzog den Zugang zu seiner Person ansonsten untersagt hatte, sich das Recht herausnahm, die Räumlichkeiten des Fürsten zu betreten.(54) Den Zugang zu seiner Person hatte der Herzog seinem 'Finanzien Rath und Residenten zu Franckfurth' in seinem Dekret vom 30. Juni 1736 ausdrücklich zugestanden, worin es heißt: >>Insonderheit soll er sich ... 3. zu allen Zeiten (sinthemalen oftmals solche Fälle sich ereignen, die keinen Aufschub leiden und mit besonderer Verschwiegenheit tractirt werden müssen) der freye Zutritt zu Unserer Persohn gndgst. offen stehen und verstattet seyn soll, ...<<(55) Damit ist Süß kein Vorwurf wegen seines Verhaltens zu machen. Die Ausnahmestellung, die er durch das Dekret erhielt dürfte allerdings dem übrigen Hof ein Dorn im Auge gewesen sein. Und so wurde dieses 'Vordringen' des Juden in die Privatsphäre des Fürsten dessen 'Schuldkonto' angelastet.

Süß und die Juden.

Schließlich kommt der Artikel wieder auf die Beziehungen des Süß zu anderen Juden zu sprechen:
>>Er hatte einen Anhang von vielen andern Juden, welche sich theils zu Stutgard, theils zu Ludwigsburg, theils auch zu Franckfurt am Mayn aufhielten. Einige davon hiessen seine Commissarii, andre seine Buchhalter, wieder andre seine Secretaire, noch andre seine Liefferanten, oder seine Agenten und Schreiber.<<(56)
An dieser Stelle zeigt sich ganz besonders die Stoßrichtung des Artikels gegen die Juden. Bei Fassmann hatte es hier geheißen: >>Der Jude Süß hatte einen Anhang von vielen andern Juden, desgleichen von Christen, ...<<.(57) Durch die scheinbar geringfügige Auslassung konnte Ranfft alles auf 'die Juden' schieben. Schon hier zeigt sich, wie in späterer Zeit immer wieder, der Glaube an eine 'Verschwörung' der Juden, die der Lesart ihrer Gegner nach immer in Gruppen handeln. Das von Süß eingestellte Personal umfaßte >>... unterschiedslos Juden wie Christen ...<<.(58) Darunter befanden sich der Notar Leining, ein Christ, der Generalkontrolleur Johann Sigmund Fürnkranz, ein Protestant aus Ulm, Isaac Samuel Levi, ein Jude, der für Süß als Kassierer in Stuttgart tätig war, Seckel Engers, ein Jude, Korrespondent in Frankfurt a. M., die Christen Friedrich Wilhelm Gmelin und Eberhard David Strotbeck, der Hausdiener Albrecht Hensler, der Buchhalter August Heß und der jüdische Sekretär Nathan Marum, der für Süß die hebräische Korrespondenz führte.(59)
Die alleinige Konzentration des Artikels auf die jüdischen Angestellten soll Süß wieder einmal in einen rein jüdischen Kontext stellen, von dem aus er gegen die Christen arbeitete. Die historische Wirklichkeit spricht deutlich dagegen. Nicht übergehen konnte der Autor die Verwicklungen der am Hofe tätigen Beamten, die Christen waren, in die Tätigkeiten des Süß: >>Hiernächst fanden sich auch unter dem Hertzoglichen Räthen und Beamten viele, die es mit ihm hielten, und seine Projecte unterstützten. Es kamen daher stets neue Befehle zum Vorschein, die theils die Erhöhung derer Imposten, theils die Vermehrung der Contributionen, theils mancherley Veränderungen in dem Commercien, theils die Schmälerung der Freyheiten des Landes, ja gar die Einführung der Römisch=Catholischen Religion zur Absicht hatten.<<(60)
Ganz pauschal werden die Beamten und Räte, die mit den von Süß vorgeschlagenen Projekten zu tun hatten, als seine Helfer verurteilt. Namen werden dabei nicht genannt. Der tatsächliche Sachverhalt der Erhöhung der Steuern, was aufgrund des erhöhten Geldbedarfs des Herzogs geschah und von diesem ausging, wird hier allein Süß und seinen 'Kreaturen' angelastet. Die beiden letzten Vorwürfe können nicht gegen Süß gehen, der in dieser Hinsicht keinerlei Einfluß hatte. Es geht hier allein um die Interessen des Herzogs, der natürlich daran interessiert war, die Macht der Landstände zurückzudrängen. Wegen der befürchteten Einführung des Katholizismus in Württemberg hatte Carl Alexander schon bei Regierungsantritt eine Erklärung abgeben müssen, daß er an der Beibehaltung des Protestantismus nicht rühren wolle.

Die Verhaftung.

Mit der Schilderung der Verhaftung beginnt der weitaus umfangreichste Abschnitt des 'Oppenheimer'-Artikels. Hier waren die Schilderungen in den Vorlagen am ausführlichsten. Der Bericht geht hämisch weiter:
>>Jedoch der gute Süß konnte sich diesen Hertzoglichen Frey=Brief gar kurze Zeit zu Nutze machen, weil nicht lange hernach, der Hertzog zu Ludwigsburg das Zeitliche geseegnete. So bald derselbe den 12 Merz daselbst verschieden, eilte unser Süß nebst einigen andern Hertzoglichen Ministern und Hoff=Leuten nach Stuttgard, und begab sich ungesäumt zur Hertzogin auf das Schloß, ob es gleich schon Mitternacht war, um derselben die traurige Post von dem plötzlichen Todes-Falle des Hertzogs, ihres Gemahls, zu hinterbringen, und dabey die Condolenz abzustatten.<< (Sp. 161, Z. 3-15)
Wie die Fahrt von Ludwigsburg nach Stuttgart wirklich verlief läßt sich auch anhand der modernen Darstellungen nur schwer rekonstruieren. Im Gegensatz zu der früher immer wiedergegebenen Darstellung der Zeitgenossen, wie sie sich auch im 'Zedler' findet, schildert Haasis die Ereignisse abweichend. Demzufolge >>setzt sich Röder in die Kutsche und lädt Süß ein, mit nach Stuttgart zu fahren.<<(61) Kein Autor vor ihm hat dies behauptet.
>>So bald er aber von der Hertzogin wieder heraus kam, wurde ihm durch den General-Adjutanten und Obristen von Reischach mit sehr harten Worten auf Befehl des Geheimen-Raths-Collegii, der Arrest angekündiget, worauf er von 12 Hussaren umringet, und in sein Quartier, welches bereits von 30 Grenadiers besetzt worden, gebracht wurde. Man arrettirte zu gleicher Zeit alle seine Bedienten, sie mochten Christen oder Juden seyn, desgleichen seine Maitresse, die sich in seinem Schlaff-Gemache befand.<<(62)
Der Verhaftung folgte die Festsetzung im Palais des Süß. Die Festnahme auch der Bedienten geht wohl auf den Versuch zurück, damit dem Finanz-Rat jegliche Möglichkeit einer Kontaktaufnahme mit der Außenwelt zu nehmen. Seine Geliebte Luciana Fischer hatte im Januar 1737 ein eigenes Zimmer in Süß' Palais in Stuttgart bezogen. Dieser Raum direkt über dem Schlafzimmer ihres Geliebten war nur durch dieses zu betreten. In den Vernehmungen schweigt das Hauspersonal über ihr Verhältnis zu Süß.(63)
>>Alle seine Sachen und Schrifften wurden versiegelt, seine Kleider und Wäsche aber aufs genaueste durchsuchet. Man fand etliche Hemden bey ihm, darinnen viel Gold, Juwelen, und Wechsel-Briefe vernehet waren. Er hatte auch in einem rothen Brust=Latze viele Schrifften, Perlen und Edelgesteine eingenehet. Ueberhaupt schätzte man das, was man bey ihm und in seinem Quartiren antraff, auf 3 Tonnen Goldes. Man säumte auch nicht, eiligst nach Franckfurt zu schreiben, und den dasigen Magistrat zu bitten, daß desselben Effecten gleichfalls mit Arrest beschlagen würden, welches auch geschehen.<<(64)
Diese Schilderung Ranffts geht zweifellos auf Fassmann zurück, wobei diese nur wenig der Wirklichkeit entspricht. Liberius berichtet dagegen, eine Leibesvisitation nach der Festnahme habe bei Süß ergeben, daß >>... in seinen zwey angelegten Hemden eine ziemliche Parthie Juwelen [gefunden wurde; J. D.], welche er, ..., sehr listig eingenehet, und verwahret hatte.<<(65) Alle drei Autoren vermitteln mit dieser Geschichte ein sehr ungünstiges Bild des Süß. Demnach hatte er sich schon vor der Abfahrt von Ludwigsburg insgeheim mit Schriftstücken und Juwelen versehen, die ihm, sollte eine Flucht notwendig sein, helfen würden. Eine wesentlich andere Schilderung dieser Umstände gibt Haasis. Demnach fand die von Liberius erwähnte Leibesvisitation erst kurz vor der Verlegung Süß' nach Hohen-Neuffen statt. Er schreibt: >>In ubeobachteten Augenblicken präpariert er sich für den Notfall, polstert seine Weste mit Wechselbriefen und Juwelen aus. Alles kommt bei der Leibesvisitation am 20. März zum Vorschein.<<(66) Bis zu diesem Tag, als er zusammen mit Hallwachs und Bühler nach Hohen-Neuffen überführt wurde, war er in seinem eigenen Palais festgehalten worden.
>>Inmittelst langte der neue Landes-Administrator zu Stuttgard an, der bey seiner Ankunfft so gleich noch einige von des verstorbenen Hertzogs Räthen und Bedienten, und darunter sonderlich den Commißions-Rath Hallwachs und den Land-Schreiber Biehler in Arrest nehmen ließ. Sie wurden darauf beyde nebst dem Juden Süß auf die Festung Hohen-Asperg gebracht, da denn der Jude nebst dem General-Adjutanten und Obristen von Reischach in einer besondern, und die andern beyden Arrestanten nebst 2 Officiers in einer andern Kutsche sassen.<<(67)
An dieser Stelle wird der Sachverhalt stark verkürzt und es schleicht sich damit ein Fehler ein. Tatsächlich wurde Süß zunächst nach Hohen-Neuffen gebracht, von wo er sechs Wochen später nach Hohen-Asperg verlegt wurde.(68)
>>Eine Escorte von 24. Mann zu Pferde ritte theils vorne an, theils auf den Seiten, theils auch hinten nach. Bey dem Einsitzen in die Kutsche soll der besagte General-Adjutant zu dem häufig um die Kutsche herumstehenden Volcke gesaget haben: Hier könnet ihr den Land verderblichen H= = = f = noch einmahl sehen; ...<<(69) (Sp. 161, Z. 44-54).
Die Detailfreude des Artikels wird immer größer, je näher es an die Hinrichtung geht. Erst jetzt werden genaueste Angaben gemacht, die bei den vorangehenden Schilderung fehlen und von Gemeinplätzen ersetzt werden. Die Auslassungen im letzten Satz dieses Zitats gehen auf Ranfft zurück. In der von ihm zugrundegelegten Fassung bei Fassmann heißt es an dieser Stelle: >>Hundsfot<<.(70)

Der Prozeß

Von einer 'Schilderung' des Prozesses kann im 'Oppenheimer'-Artikel keine Rede sein. Nur ganz oberflächlich wird dieser erwähnt:
>>Inmittelst wurde sein Proceß das ganze Jahr hindurch mit grossem Eifer fortgesezet, man konnte aber damit vor Ausgange desselben nicht zu Ende kommen, weil solcher theils durch den angestelten Concurs-Proceß über desselben Vermögen, theils wegen einiger von seinem Caßirer und dem Hoff-Commissario Firnkranz untergeschlagnen Wechsel und Geld-Summen etwas aufgehalten wurde, wie sich denn auch beyde mit der Flucht davon gemacht.<<(71)
Zum Verlauf des Prozesses lagen im Jahr 1738 und auch 1744 keine Quellen vor. Niemand wußte, wie die Beweisführung angelegt war, welche Zeugen unter welchen Bedingungen vernommen worden waren und ob der Angeklagte versucht hatte, sich gegen die Vorwürfe zu verteidigen. Dies lag insbesondere an einem Publikationsverbot. Als der Tübinger Buchhändler Christoph Heinrich Berger den Prozess publizieren wollte, wurde dies vom Geheimen Rat untersagt. Ebenso wurde dem an den Bekehrungsversuchen beteiligten Diakon Christoph Conrad Heller untersagt, einen Bericht zu veröffentlichen.(72)
Isaac Samuel Levi, der für Süß als Kassierer in Stuttgart tätig gewesen war, wurde ebenfalls inhaftiert. Während der Haft schwer gefoltert, er erhielt 40 bis 50 Schläge auf das Gesäß, floh er im Januar 1738 aus der Haft.(73)

Der "Bekehrungs-Einschub"

Der von Ranfft übernommene Text wurde vom 'Zedler'-Bearbeiter durch einen Einschub thematisch erweitert. Ranfft hatte die vor der Hinrichtung erfolgten Bekehrungsversuche nur kurz angerissen: >>Man schickte hierauf noch einmahl einen Evangelischen Prediger an ihn, der ihn aber in der äussersten Verwirrung und Verstockung antraff. Er schrie unaufhörlich sein Adonai Elohim aus, und, um den Prediger nur loß zu werden, sprach er: Er vermache hiermit ihm und seinen Herrn Collegen 2000 fl. vor ihre Mühe, sie solten aber den Haus-Armen etwas davon geben, übrigens wolte er als ein Märtyrer vor seine Religion sterben; worauf ihn der Prediger verlassen.<<(74) Die Einzelheiten dieser Passage entnahm Ranfft zweifellos dem Buch von Liberius, da diese Episodeim Jahr-Buch nicht geschildert wird.(75)
Im nächsten Absatz folgte dann sogleich die Beschreibung der Abführung zum Schinderkarren. Thematisch und chronologisch stimmte diese Erzählfolge bei Ranfft mit den Geschehnissen am Tag der Hinrichtung überein. Zwischen die beiden genannten Absätze wurde für den 'Oppenheimer'-Artikel ein Abschnitt eingeschoben, der die weiteren Bekehrungsversuche und die Bemühungen des bekehrten Juden David Bernard um Süß schildert. Diese Erweiterung stellt ein echtes Kuriosum dar, denn durch diesen Einschub wurde der zweite Teil von Ranffts Darstellung wieder der Vorlage angeglichen, die Ranfft nacharbeitete. Die chronologische Erzählfolge wurde dadurch unterbrochen.
>>Und nachdem er anfänglich, theils Catholische, theils Evangelische Geistliche verlanget hatte, denenselben aber bey ihrer Ankunft kein Gehör gegeben hatte: so fiel er endlich auch darauf, daß man ihm ein paar Juden zu seiner Todes-Bereitung schicken möge. Es geschahe solches auch, jedoch im Beysein eines ehemaligen Rabbi, der nachgehends ein Christ worden war, und bey der Universität Lector der Morgenländischen Sprachen stund, Nahmens David Bernhard. Allein es konnte auch dieser mit ihm nicht auf den Grund kommen, weil der Jude, wenn von Glaubens-Sachen die Rede war, nicht Stand hielte, und auch von der Jüdischen Art, einen zur Busse und zum Tode zu bereiten nichts hören wolte, sondern sich noch ganz ungeberdig vernehmen ließ: Was? Ich, ein Mann von solchem Reichthum, von solcher Ehre und Verstand, soll eines so schändlichen Todes sterben, und aus lauter Unschuld gehangen werden? Wenn man alles zusammen nimmt was ich verschuldet, ist es nicht 50 Gulden werth. Darauf sagte besagter Lector, Bernhard: Nun ich will setzen er sterbe unschuldig, so weiß er ja, daß ein solcher Mensch, nach der Jüdischen Religion, als ein Heiliger geachtet wird; er suche doch nur wohl zu sterben. O elender Trost,<< fuhr der Jude auf, >>o! mich unglückseligen Mann! doch mich jammert nichts so sehr als der Schandfleck, der meiner Familie angehängt wird.<<(76)
Dieser knappe Bericht über die Begegnung des getauften Juden mit dem sich in der Todeszelle dem Judentum wieder zuwendenden Süß ist eine geraffte Wiedergabe der von David Bernard in einer Veröffentlichung(77) mitgeteilten Ereignisse in der Zelle des Todeskandidaten. Da dieser Bericht auf einen Augenzeugen zurückgeht, ist ,bei allen Vorbehalten gegen Bernard wegen seiner zum Ausdruck kommenden Haltung Süß gegenüber, von einem die Umstände dieser Begegnung getreu wiedergebenden Bericht auszugehen.
Diesem Abschnitt aus dem Jahr-Buch folgt ein kurzer Hinweis auf die von David Bernard übersetzte und publizierte Schrift, in der Süß als Kodesch gepriesen wurde: >>Diese Hartnäckigkeit in dem Judenthume, nennen hingegen seine Glaubens-Genossen, eine heilige Beständigkeit, und es kam kurz hernach auf diesen Süß eine in vermischter Ebräisch und Jüdisch-Deutscher Sprache gedruckte Relation zum Vorschein, worinnen er wegen seines standhafften Bekennt-nisses des Jüdischen Aberglaubens zu einem grossen Heiligen gemacht wird. Siehe davon in den frühaufgelesenen Früchten An. 1738. p. 250.<<(78)
Diese Sätze entsprechen weitestgehend dem, was im Jahr-Buch hierzu zu lesen ist, wo es heißt: >>Diese Hartnäckigkeit in dem Judenthum nennte hingegen seine Glaubens=Genossen, eine heilige Beständigkeit, wie denn einer von ihnen bald darauf eine in vermischter Ebräisch- und Jüdischer-Teutscher Sprache gedruckte Relation, auf diesen gehenckten Juden Joseph Süß heraus gab, und ihn darinnen wegen seines standhafften Bekenntniß des Judenthums, zu einem grossen Heiligen machte.<<(79) Dieser Abschnitt fehlt bei Liberius ebenso wie im Text von Ranfft, wurde also wiederum vom Bearbeiter des Zedler-Artikels eingefügt.

Die Hinrichtung.

Der 'Oppenheimer'-Artikel konzentriert das größte Interesse auf die Vorgänge bei der Hinrichtung. Darin ist er von seiner Vorlage völlig abhängig, die er wortwörtlich übernimmt.
>>Man brachte ihn alsdenn hinunter auf die Gasse, wo der vor ihn zubereitete Schinder-Karn mit einem Pferde auf ihn wartete.<<(80)
Mit diesem Satz beginnt wieder ein Abschnitt, der in engerem Zusammenhang mit Darstellung von Liberius steht, als mit dem Jahr-Buch.
>>Er hatte diesen Karren mit einem erhabnen Sitze und Stroh-Küssen ehemahls selbst machen lassen, da ihm 2 kostbare Pferde umgefallen, die er nicht auf dem gemeinen Schinder-Karren hatte wollen hinschleppen lassen.<<(81) Wie weit die Behauptung, Süß sei mit seinem eigenen Wagen zur Hinrichtung gefahren worden, der Wahrheit entspricht, ist nicht abzuschätzen. Diese Ansicht muß schon früh verbreitet gewesen sein, da schon das Jahr-Buch hiervon spricht. Allerdings ist die eigentliche Quelle dieser Behauptung nicht auszumachen.
>>Er hatte einen scharlachenen Rock mit einer schmalen goldenen Tresse, auch ein Cammisol und Bein-Kleider von dergleichen Tuch, ein feines Ober-Hemde ohne Manschetten, und weisse seidene Strümpfe an, eine Peruque aber und einen Huth ohne Tresse auf dem Haupte.<<(82)
Die Beschreibung der Kleidung des Delinquenten entnahm Ranfft dem Buch von Liberius(83) und änderte nur wenig, womit sie unverändert in den 'Zedler' übernommen wurde. Das Jahr-Buch hatte die Bekleidung dagegen nur ganz am Rande im Zusammenhang mit dem Aufstieg auf die Leiter zum Galgen beschrieben: >>Also wurde er dort mit seinem rothen bordirten Kleid, und weisen seidenen Strümpffen auf die Leiter gebracht.<<(84)
>>Die Bedeckung bestund aus einigen 100 Grenadiers mit aufgesteckten Bajo-netten, 100 Mann zu Pferde aber hatten bereits den gewöhnlichen Creyß um das Gerichte gemacht.<<(85)
Die Beschreibung der Bedeckung war von Ranfft stark vereinfacht worden. Er schöpfte zweifellos aus Liberio, der wiederum das Jahr-Buch als Vorbild gewählt hatte. Bei Liberio heißt es: >>Die Bedeckung bestand aus Grenadiers, nemlich 100. Mann vorher, 100. Mann hernach, und 100. auf beyden Seiten, alle mit aufgesteckten Bajonetten; auch waren 100. Mann zu Pferd von der Stadt Garde hinaus ans Gerichte gerücket und hatten den gewöhnlichen Creiss gebildet.<<(86) Hier wird besonders deutlich, wie es Ranfft darauf ankam, seinen Text zu straffen. Er beschreibt nicht mehr die genaue Anordnung der verschiedenen Abteilungen, gibt auch nicht mehr die genaue Zahl (300) der Grenadiere an.
>>Als er in den Creyß gekommen, ward er von dem Karren, auf dem er alleine gesessen, loßgeschlossen, und ihm von seiner Kleidung weiter nichts als die Schuhe ausgezogen, da man ihn denn auf die Leiter brachte, wo ihm aber Huth und Peruque herunter flogen: Er ließ zwar auf der Leiter noch einige Reden hören, die man aber wegen Rührung der Trommeln nicht verstehen konnte. Er wurde drauf unter währender Ausruffung Adonai, Adonai Elohim, welches er wohl hundertmahl wiederholte, die Leiter hinauf gezogen.<<(87)
Hier schöpfte Ranfft aus dem Jahr-Buch, doch läßt er den Umstand weg, >>Die Zuschauer wurden zur Vorbitte in einem Vater Unser vermahnet, ...<<.(88) Liberio hatte diesen Absatz völlig weggelassen.
>>Als er bis an den eisern Arm, der gantz oben an dem eisern Galgen ist, gebracht war: wurde er neben dem eisernen Kefig, der roth angestrichen, gehencket, alsdenn aber, wie er todt war in den Kefig mit seiner völligen Kleidung eingeschlossen, und der Kefig wurde mit drey grossen Schlössern zugemacht, auch noch überdieß mit einer eisernen Kette verwahrt, ...<<(89)
Wiederum folgt Ranfft dem Text von Liberius, dessen Abhängigkeit vom Jahr-Buch auch hier nicht zu übersehen ist. Der nun folgende Zusatz: >>... weil man besorgte es möchten die Juden seinen Cörper heimlich wegzubringen suchen.<<(90) ergänzte der 'Zedler'-Bearbeiter nach dem Jahr-Buch und stellte so den ursprünglichen Text in etwa wieder her. Liberius hatte diese Behauptung weggelassen und Ranfft, der diesen an dieser Stelle als Quelle benutzte, war ihm darin gefolgt.
>>Es ist aber das gedachte Gitter oder Kefig 6 Schuh hoch gewesen, ...<<(91)
Die Angabe über die Höhe des Käfigs kann Ranfft nicht aus Liberius entnommen haben, denn dieser schweigt dazu. Allein das Jahr-Buch macht die Angabe: >>... so wurde dermalen dieser Kefig, welcher sechs Schuh hoch war, gemacht; ...<<(92) Aus welcher anderen Quelle Ranfft diese Information genommen haben könnte, muß offen bleiben, aber die zahllosen Flugblätter machten oft detailreiche Angaben zu den Maßen des Galgens und des Käfigs.
>>... und der eiserne Galgen, der 1597 gemacht worden, als man zu Hertzog Friedrichs Zeiten den Goldmacher Honauer mit Flitter-Golde daran henckte, muß sehr hoch gewesen seyn, weil die Leiter, auf welcher Süß hinauf gezogen worden 48 Schuh lang gewesen ist.<<(93) Wiederum macht das Jahr-Buch keine Angaben zur Höhe des Galgens. Hier schöpfte Ranfft aus Liberius.(94)
>>Ob nun gleich der Zulauf des Volcks bey dieser Hinrichtung des Juden, unbeschreiblich gewesen; so hat man doch nicht gehöret, daß er von dem unzählig herzu dringenden Volcke einige Schmach-Reden, vielweniger thätliche Beleidigungen, wie vormahls, da man ihn gefangen gesetzt, hätte ausstehen dürffen. Und es verdienen die guten Anstalten, bey dieser Execution allerdings gerühmet zu werden.<<(95)
Zum Abschluß des Artikels macht der Bearbeiter noch einige Hinweise zur verwendeten Literatur und teilt mit: >>Die vornehmsten Umstände von dem Leben dieses Juden waren damahls bey Abraham Remshard, Silberdrechsler in Augspurg, in einer silbernen Medaille zu haben.<<(96) Als Literaturhinweise nennt er >>Ranffts Geneal. Archivarius 1738 p. 87 u. ff.<< und das >>Historisches Jahrbuch 1738 p. 241<<.(97) Damit verwies er seine Leser direkt auf seine Vorlagen, die er nicht als Arbeitsgrundlage, sondern als 'Steinbruch' für seinen Artikel benutzt hat.

Schluß

Die Analyse der vorgestellten Abschnitte aus dem 'Oppenheimer'-Artikels im 'Zedler' hat, insbesondere durch den Vergleich mit den Erkenntnissen der modernen Forschung, gezeigt, daß in der Mitte des 18. Jahrhunderts nur unklare Gerüchte und Legenden über Joseph Süß Oppenheimer im Umlauf waren. Der Artikel liefert zwar oberflächlich betrachtet ein historisch richtiges Bild, doch bei Betrachtung der Details erscheinen Fehler und Ungenauigkeiten, die selbst zur damaligen Zeit dem kritischen Leser auffallen mußten. Und doch ist dieser Artikel als Zeitdokument nicht unwichtig. Der zum Ausdruck kommende Antijudaismus ist unübersehbar. Ohne es direkt und offen zu formulieren führt der Autor seinen Lesern immer wieder vor Augen, daß es das Judentum ist, das hinter allen Verbrechen zu finden ist, die Süß vorgeworfen werden. Damit wird ein Mann 'konstruiert', wie der Autor sich einen verschlagenen, geldgierigen und geschäftlich tätigen Juden vorstellt. Süß wird zu einem Prototyp, fast möchte man sagen zu einem 'Ewigen Juden'. Alles, was über diesen Mann mitgeteilt wird, wird zum Versatzstück. Süß behält keine Individualität. Selbst seine Verzweiflung im Angesicht des Todes wird verallgemeinert. Hier geht nicht Joseph Süß Oppenheimer zum Galgen, sondern alle Juden seines Schlages. Seine Fähigkeiten im Finanzgeschäft werden ihm als 'Verschlagenheit' ausgelegt, seine Standhaftigkeit im Judentum im Angesicht des Todes als 'Verstocktheit'. Daß es selbst einem Mann wie Süß, und gerade als Jude, kaum möglich gewesen wäre in der ihm in dem Artikel vorgeworfenen Weise in die Staatsgeschäfte einzugreifen und einen Herzog zu seinem Spielball zu machen, bleibt außen vor. Dem Herzog wird kein Vorwurf gemacht, selbst nicht mit dem angeblichen kabbalistischen Horoskop. Dabei unterschlug gerade in diesem Punkt Ranfft einen Satz seiner Vorlage: >>Caballistischen Ausrechnungen solle ein Weiser nimmer mehr traun, ...<<(98), was zweifellos eine harsche Kritik an der so erfolgten Beeinflussung des Herzogs darstellt. Für Ranfft war Oppenheimer der Schuldige, der Herzog sein Opfer. Süß wird in dieser Darstellung zu einem jüdisch-christlichen Bastard aus einer ehebrecherischen Beziehung seiner Mutter, der auf unklare Weise ein Vermögen erwarb, was ihm zu einem ansehnlichen Anhang von Juden verhalf. Sein ganzes Sinnen und Trachten bestand dann darin, den von Geldnöten geplagten Carl Alexander an sich zu ziehen, den er durch die Vorspiegelung mystischer Erkenntnisse an sich band. Als dieser ihm in seinem Land bei der Finanzverwaltung freie Hand ließ, bereicherte sich Süß schamlos, wobei er sogar von christlichen Hofbeamten unterstützt wurde, die selbst an seinen Betrügereien partizipierten. Damit war für Ranfft die Strafe nur gerecht und sollte sie seinen Lesern auch so erscheinen. Der 'Oppenheimer'-Artikel bietet somit mehr einen tiefen Einblick in den Antijudaismus des 18. Jahrhunderts als in einen historischen Vorgang.(99)


Literatur.

Elwenspoek, Curt, Jud Süß Oppenheimer, Stuttgart: Süddt. Verlagshs. 1926
Fassmann, David, Gespräche In Dem Reiche derer Todten, 225. EntrevuÎ, Leipzig: W. Deer 1737, S. 70b-92
Haasis, Hellmut G., Joseph Süß Oppenheimer, 1998
Haasis, Hellmut G., Joseph Süß Oppenheimers Rache, Blieskastel: Gollenstein 1994
Juntke, Fritz, Johann Heinrich Zedler's Grosses vollständiges Universallexikon, Schriften zum Bibliiotheks- und Büchereiwesen in Sachsen-Anhalt Nr. 15/16, Halle/Saale: Univ.- und Landesbibliothek 1956
Liberius, Arnoldus, Vollkommene Historie und Lebens=Beschreibung des fameusen und berüchtigten Würtembergischen Avanturiers, Jud Joseph Süß Oppenheimer ..., Frankfurt / Leipzig 1738
N.N., Juden, in: Grosses vollständiges Universal-Lexikon, Johann Heinrich Zedler (Hg.), Bd. 14, Leipzig: Zedler 1735, Sp. 1497-1503
N.N., Ranfft (Michael), in: Grosses vollständiges Universal-Lexikon, Johann Heinrich Zedler (Hg.), Bd. 30, Leipzig: Zedler 1741, Sp. 799-802
N.N., Süß Oppenheimer (Joseph), in: Grosses vollständiges Universal-Lexikon, Johann Heinrich Zedler (Hg.), Bd. 41, Leipzig: Zedler 1744, Sp. 157-165
N.N., Von Würtemberg, in: Historisches Jahr-Buch vom Jahre Christ 1738, Frankfurt / Leipzig: Riegel 1738, S. 237-245
N.N., Würtemberg, (Carl Alexander, Hertzog zu), in: Grosses vollständiges Universal-Lexikon, Johann Heinrich Zedler (Hg.), Bd. 59, Leipzig: Zedler 1749, Sp. 1117-1140
Polyempirus, Charlatanerie der Buchhandlung ..., Sachsenhausen: Mistkütze 1732 [ND Leipzig 1987]
Quedenbaum, Gerd, Der Verleger und Buchhändler Johann Heinrich Zedler, Hildesheim/New York: Olms 1977
Ranfft, Michael, Leben und Tod des jüngst hingerichteten Würtenbergischen Hof=Judens, Süß Oppenheimers, in: Der Genealogisch-Historische Archivarius, Michael Ranfft (Hg.), Leipzig: Heinsius 1738, S. 87-106
Stern, Selma, Jud Süss, Berlin: Akademie 1929

Anmerkungen:
1 Gerber, 1990, S. 28.
2 Diese Feststellung trifft der Autor dieser Arbeit unter Vorbehalt, da ihm nur die Werke von Wüst, Elwenspoek, Stern und Haasis vorlagen. Es konnte keine Publikation des 18. oder 19. Jhd. ermittelt werden, in der Bezug auf den 'Oppenheimer'-Artikel genommen wird, was natürlich seine Ursache auch darin haben kann, daß ein solches Werk nicht beschafft werden konnte.
3 Unter den 101 von Gerber, 1990, S. 594 - 611, aufgelisteten Titeln finden sich nur 13 aus den Jahren 1739-1769.
4 Siehe Gerber, 1990, S. 28.
5 Zedler, Bd. 59, Sp. 1117-1140.
6 Ranfft (Michael), in: Zedler, Bd. XXX, 1741, Sp. 799-802.
7 Diese Publikation erschien letztmalig 1738 und wurde durch die 'Genealogisch=Historischen Nachrichten ...' ersetzt.
8 Ranfft, 1738, S. 87-104.
9 Historisches Jahr-Buch, 1738, S. 244-245.
10 Fassmann, 1737, S. 70b-92.
11 Liberius, 1738, S. 81 (Ranfft, 1738, S. 99, Z. 18 - S. 100, Z. 13; s.a. Zedler, Bd. 41, 1744, Sp. 162, Z. 37-61).
12 Jahr-Buch, 1738, S. 241, Z. 25 - S. 242, Z. 9, sehr nah an diesen Formulierungen ist Liberius, 1738, S. 103, Z. 2-14. Ranfft, 1738, S. 100, Z. 14-27 (s.a. Zedler, Bd. 41, 1744, Sp. 162, Z. 63 - S. 163, Z. 9) gibt denselben Inhalt wieder.
13 Liberius, 1738, S. 103, Z. 14 - S. 107, Z. 7 (Ranfft, 1738, S. 100, Z. 27 - S. 102, Z. 17; s.a. Zedler, Bd. 41, 1744, Sp. 163, Z. 9 - 61).
14 Es war nicht zu entscheiden, welches der Werk als erstes auf den Markt kam und damit als 'Quelle' dienen konnte. Bei der umfassenden Darstellung des Autors Liberius ist allerdings zu vermuten, daß dessen Buch mit größerem Abstand zur Hinrichtung des Süß erschien, als das 'Jahr-Buch'.
15 Jahr-Buch, 1738, S. 244, Z. 14 - S. 245, Z. 27; s. a. Zedler, Bd. 41, 1744, Sp. 163, Z. 62 - Sp. 164, Z. 34.
16 Liberius, 1738, S. 104, Z. 20 - S. 109, Z. 21 (Ranfft, 1738, S. 102, Z. 19 - S. 104, Z. 19).
17 Zedler, Bd. 41, 1744, Sp. 157, Z. 19-27 (Ranfft, 1738, S. 87, Z. 1-9).
18 Liberius, 1738, S. 1.
19 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, A 48 F Süß Bü 2 zit. bei: Haasis, 1994, S. 106; ebenso Stern, 1929, S. 305.
20 Haasis, 1998, S. 11.
21 Fassmann, 1737, S. 70b-70c. Wie der Hinweis, Oppenheimer sei ein ªverheyratheter Mann´ zu verstehen ist, bleibt dahingestellt. Keine der Quellen erwähnt eine Ehe, auch Fassmann erklärt diesen Zusatz nicht.
22 Liberius, 1738, S. 111, Z. 26-28. Im Widerspruch dazu behauptet Liberius, 1738, S.1, Z. 11, Süß sei 1692 geboren.
23 Elwenspoek, 1926, S. 16.
24 Zedler, Bd. 41, 1744, Sp. 157, Z. 27-41.
25 Stern, 1929, S. 10. Haasis, 1998, S. 16-17, zeigt überzeugend, daß Oppenheimer nicht 1692 geboren sein kann, aber seine Mutter auch nicht nach 1692 und vor 1697 ein Verhältnis mit dem damals schon geächteten Heidersdorf gehabt haben kann.
26 Stern, 1929, S. 10.
27 Stern, 1929, S. 10.
28 Liberius, 1738, S. 1, Z. 11.
29 Liberius, 1738, S. 2 - 3.
30 Ranfft, 1738, S. 87, Z. 10 - S. 88, Z. 2.
31 So nach Haasis, 1998, S. 16.
32 Diese Angaben machte dem 4. Bd. der Krimialprozeßakten zufolge Oppenheimer im Verhör am 4. Juni 1737. (Stern, 1929, S. 306, Anm. 11)
33 Stern, 1929, S. 9.
34 Zedler, Bd. 41, 1744, Sp. 157, Z. 49-56.
35 Stern, 1929, S. 27.
36 Haasis, 1998,S. 77; s.a. Stern, 1929, S. 27.
37 Stern, 1929, S. 29.
38 Zedler, Bd. 41, 1744, Sp. 157, Z. 56-59.
39 >>Durch eine Cabbalistische Ausrechnung propheceyete er mir die Hertzogliche Regierung, ...<< Fassmann, 1738, S. 70b.
40 Elwenspoek, 1926, S. 32-33 (Auslassungen Dendl).
41 Stern, 1929, S. 14, ohne Angabe von Quellen.
42 Liberius, 1738, S. 3.
43 Stern, 1929, S. 14.
44 Anton Weberous, Erinnerungen eines Hundertjährigen, den die Vorsehung mehr als ein Jahrhundert durchwallen ließ, o. O., o. J.; zit. n. Elwenspoek, 1926, S. 125.
45 Zedler, Bd. 41, 1744, Sp. 158, Z. 5-20.
46 Stern, 1929, S. 28.
47 Haasis, 1998, S. 179-180.
48 Haasis, 1998, S. 180 (dazu Quelle: Bü 20 Stück 2; Bü 21 Stück 26); s. a. Stern, 1929, S. 240ff.
49 Zedler, Bd. 41, 1744, Sp. 158, Z. 20-30.
50 Haasis, 1998, S. 221.
51 Haasis, 1998, S. 235-238.
52 Stern, 1929, S. 298-303, gibt das Inventar der Bibliothek nach Württ. St. A. Kr. Pr. A. Bd. 98 wieder.
53 Zedler, Bd. 41, 1744, Sp. 158, Z. 30-32. (Fassmann, 1738, S. 70b).
54 Haasis, 1998, S. 118.
55 Stern, 1929, Dok. 39: Karl Alexander an Süß (Württ. St. A. Kr. Pr. A. Bd. 20 Original Dekret), S. 240.
56 Zedler, Bd. 41, 1744, Sp. 159, Z. 45-52. (Ranfft, 1738, S. 92, Z. 22-28).
57 Fassmann, 1738, S. 70e.
58 Haasis, 1998, S. 197.
59 Haasis, 1998, S. 197-203.
60 Zedler, Bd. 41, 1744, Sp. 159, Z. 52-61.
61 Haasis, 1998, S. 302 ohne Beleg.
62 Zedler, Bd. 41, 1744, Sp. 161, Z. 15-26.
63 Haasis, 1998, S. 250.
64 Zedler, Bd. 41, 1744, Sp. 161, Z. 26-38.
65 Liberius, 1738, S. 66, Z. 11-21. Hierfür gibt Liberius das Welt- und Staats-Theatrum , 1737, S. 37.ff., als Quelle an. (Konnte nicht eingesehen werden. J. D.).
66 Haasis, 1998, S. 306, ohne Beleg.
67 Zedler, Bd. 41, 1744, Sp. 161, Z. 38-44.
68 Haasis, 1994, S. 97.
69 Zedler, Bd. 41, 1744, Sp. 161, Z. 50-56.
70 Fassmann, 1737, S. 91.
71 Zedler, Bd. 41, 1744, Sp. 162, Z. 14-23.
72 Berger: Haasis, 1998, S. 449 (Quelle: A 202 Bü 1824); Heller: Haasis, 1998, S. 466 (Quelle: Bü 113).
73 Haasis, 1998, S. 198-199 (dazu Quelle: Bü 8, 7.11.1737 (Prügel); Bü 9, 7.1.1738 (Flucht)).
74 Zedler, Bd. 41, 1744, Sp. 163, Z. 50-61, nach Ranfft, 1738, S. 102, Z. 6-18.
75 Liberius, 1738, S. 106, Z. 19 - S. 107, Z. 7.
76 Zedler, Bd. 41, 1744, Sp. 163, Z. 62 - Sp.164, Z. 21, nach Jahr-Buch, 1738, S. 244, Z. 14 - S. 245, Z. 17.
77 Christoph David Bernard, Ausführlicher Discurs Mit Einem seiner guten Freunde, Tübingen 1738 (In Auszügen zitiert bei Haasis, 1994, S. 223-235).
78 Zedler, Bd. 41, 1744, Sp. 164, Z. 25-34.
79 Jahr-Buch, 1738, S. 245, Z. 17-27.
80 Zedler, Bd. 41, 1744, Sp. 164, Z. 34-37.
81 Zedler, Bd. 41, 1744, Sp. 164, Z. 37-41.
82 Zedler, Bd. 41, 1744, Sp. 164, Z. 41-47. Diese Stelle zitiert Stern, 1929, S. 174-175, nach Liberius, 1738, S. 104, Z. 23 - S. 105, Z. 2.
83 Liberio, 1738, S. 104, Z. 23 - 105, Z. 2.
84 Jahr-Buch, 1738, S. 243, Z. 18-19.
85 Zedler, Bd. 41, 1744, Sp. 164, Z. 56-59.
86 Liberio, 1738, S. 105, Z. 11-16.
87 Zedler, Bd. 41, 1744, Sp. 164, Z. 64 - Sp. 165, Z. 9.
88 Jahr-Buch, S. 243, Z. 25-28.
89 Zedler, Bd. 41, 1744, Sp. 165, Z. 9-16.
90 Zedler, Bd. 41, 1744, Sp. 165, Z. 16-18.
91 Zedler, Bd. 41, 1744, Sp. 165, Z. 18-20.
92 Jahr-Buch, 1738, S. 244, Z. 8-9.
93 Zedler, Bd. 41, 1744, Sp. 165, Z. 20-25.
94 Liberius, 1738, S. 103, Z. 11-21.
95 Zedler, Bd. 41, 1744, Sp. 165, Z. 25-33.
96 Zedler, Bd. 41, 1744, Sp. 165, Z. 33-36.
97 Zedler, Bd. 41, 1744, Sp. 165, Z. 37-38.
98 Fassmann, 1737, S. 70b.
99



© Jörg Dendl
Aktualisiert im Dezember 2000.


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